Montag, 23. Mai 2011

Glücksspielereien

Hello again!

Ihr werdet euch wundern, dass ich so bald schon wieder schreibe?
Tja, einfacher Grund, muss wieder einmal ein bisschen fehlgeleitete Energie und Nervosität nach einer Prüfung abbauen. Außerdem dachte ich mir, ihr wollt vielleicht etwas darüber hören.

Was war heute am Programm?
Familienrecht, anders als in Österreich ist das hier nicht Teil einer großen Bürgerlich Rechts Prüfung (wird dann eher selten gefragt), sondern ein eigenes Fach, dass man entweder mit 100% Klausur oder 30% Kursarbeit und 70% Klausur machen kann. Ich habe die erste Möglichkeit gehabt und nachdem ich mir im Herbstsemester (nach der Übungskursarbeit) in den "behind" (um es Englisch auszudrücken, vielleicht macht das die Phrase ja besser) hätte beißen können, war ich dann in Frühlingssemester wirklich, wirklich froh nur eine Klausur zu haben und nicht im März schon eine Arbeit abzugeben müssen. Bis vor ungefähr 10 Tagen, als ich merkte, dass ich nur einen winzigen Teil lernen konnte bevor ich mich in die letzte Wiederholung für Rechtsphilosphie stürzen musste und dann nur noch 5 Tage habe um alles rauszuholen, was geht.

Hmmm, John Rawls sagt in seiner Gerechtigkeitstheorie, dass Menschen mit wirklich wichtigen Dingen im Leben kein Glücksspiel betreiben. ALSO, diese Prüfung war eindeutig nicht wirklich wichtig für mein Leben, denn ich habe wirklich "gegambled" (kein Wort, aber das passiert, wenn man längere Zeit in England verbringt. Entweder denkt man plötzlich nur noch Englisch oder es kommen eigenartige Deutsch-Englische Kombinationen aus dem Kopf, wenn auch nicht bei der Prüfung, zum Glück)

Jedenfalls, wie habe ich das getan? Tja, wie wahrscheinlich jeder Student/Schüler unzählige Male in seinem Leben. Lernen was geht und zugleich wissen, dass vieles sich nicht ausgeht und dann hoffen, dass die richtigen Fragen kommen. (Kleine Erleichterung, es gibt jedes Jahr 12 Fragen, 6 im normalen Familienrecht (Erwachsene) und 6 betreffen das Recht rund um Kinder und Eltern, das heißt, es ist höchst wahrscheinlich, dass so ziemlich jedes Thema des Jahres eine Frage hat und man nur 3 Fragen beantworten muss). Nur ist sich bei mir irgendwie nicht so viel ausgegangen, wie gedacht. Habe zwar den größten Teil vom normalen Familienrecht geschafft, aber dann beim Teil über die Vermögenstrennung nach Scheidung stoppen müssen, um auch noch etwas vom Kindesrecht unterzubringen, habe dort dann die Themen Elternschaft und Trennung der Eltern gut durchgemacht, das große Thema des Kindesschutzes durch den Staat aber nur gestreift. Unter anderem.
Sonntag nachmittag habe ich mich dann hingesetzt und begonnen alte Fragen durchzuarbeiten, konnte aber bis 3/4 12 nachts nur einenthalb Klausuren durchmachen (nicht ganz was ich geplant hatte), dann bin ich fast schon über meinen Zetteln eingeschlafen und habe eingesehen, dass Schlaf vielleicht mal eine gute Idee wäre.

Nicht, dass ich lange geschlafen hätte, viertel 6 haben die Träume zur Klausur wieder begonnen, dreiviertel 6 hab ich den Schlaf dann aufgegeben. Aber so konnte ich wenigstens noch ein bisschen was durchlesen (und mich nur halb verrückt machen, auch wenn man das nicht machen darf, wie mir meine weise, kleine Schwester gesagt hat. Darf bald wohl nicht mehr "klein" sagen, irgendwie ist die in den paar Monaten meiner Abwesenheit "groß" geworden)

Nach einer Raserei zur Uni mit meinem lieben, lieben Rad, durfte ich dann vor dem Gebäude warten, bis sie uns einließen (Danke für den Sonnenschein, mein lieber Wettergott, kann ich nur sagen) Glücklicherweise nicht allein, denn die Niederländerin, mit der ich mich während des Jahres so gut verstand, war auch schon dort. Haben uns dann ein bisschen gegenseitig beruhigt bzw. nervös gemacht.
Irgendwann wurden wir nach dem typischen Vortag "das passiert wenn ihr schummelt" (wird nach vorn gebeten, muss warten, kommt vielleicht vor eine Kommission, kann von der Uni ausgeschlossen werden -> habe mit der Schulter gezuckt, aber schummeln tu ich trotzdem nicht) in das Gebäude gelassen und durften unseren Raum finden. In dem Gebäude sind alle Prüfungsräume im Kellergeschoß. Durchaus angenehm gegen eventuelle Hitze, aber irgendwie sah unser kleiner Raum auch wie Keller aus.

Unsere Gesetzbücher warteten schon auf den Tischen, die Aufsichtsperson war herzlich gelangweilt (und ist anders als letzte Woche nur aufgestanden, wenn jemand zusätzliches Papier wollte) und bald ging die wilde Schreiberei los. Und wenn ich wild sage, dann meine ich wild. 3 Fragen in 2 Stunden sind kein Kinderspiel. Es ist ja nicht so, als würde man da nur eine Seite schreiben.
Meine erste Frage war ein Fall mit 2 unterschiedlichen Ehen und einer zivilen Partnerschaft, bei denen es zu bestimmen galt, ob sie gültig sind oder nicht. Natürlich muss man die sections im Gesetz wissen, den Fall danach bearbeiten und ähnlich Fälle anführen, als Beispiele oder Begründungen.
Nach einer Stunde (10 Minuten davon damit verbracht fast alle Fragen zu lesen um zu entscheiden, was ich machen will) dachte ich Schreck lass nach, ich hab ja noch zwei Fragen.
Das waren dann zwei Essay-fragen, die mir erstaunlicherweise (oder auch nicht, mochte Problemfragen immer) doch ganz gut liegen, vor allem wenn ich dazu eine Meinung habe. Habe über Reform im Scheidungsrecht und die Übersiedlung ins Ausland eines Elternteiles mit den Kindern und die rechtliche Situation geschrieben. Vor allem der zweite Aufsatz ist in 20 Minuten eher kurz geraten und einige Fallnamen sind mir nicht mehr eingefallen, später sind mir auch noch das Recht auf Familie (Europäische Menschenrechtskonvention Art 8) eingefallen, aber ich hatte gerade noch eine Minute, um eine Ende zu schreiben und die Arbeit nicht in der Luft schweben zu lassen, also konnte ich wirklich nicht mehr nachdenken.

Generell war das Denken während der Prüfung irgendwie schwer, alles in mir hat sich nur auf das Schreiben konzentriert. Zum Glück ist es jetzt vorbei. Es wird nicht berühmt sein, aber ich glaube, ich bin durch, da ich die meisten rechtlichen Fakten durchaus darlegen konnte. (Komme eher ungern im August nochmal her und noch weniger will ich meine Zetteln auf meinen Schottlandurlaub mit Verena davor mitnehmen)

Bin danach nur heimgefahren und habe versucht zu schlafen, ging aber irgendwie nicht.
Werde mich also heute wirklich früh in die Federn hauen, um morgen frisch und munter in der Früh an Strafrecht arbeiten zu können, denn um Max&Moritz zu zitieren: "Dieses war der zweite Streich und der nächste folgt sogleich" (in meinem Fall, Donnerstag! Danach heißt es Pausenwochenende, das habe ich mir verdient!!!)

Genießt die Zeit und die Wärme/Hitze. Wenn es euch zu heiß ist, denkt an das schöne England, wir haben gerade um die 18°C, was nicht schlecht ist (vor allem zum Lernen), aber es könnte besser sein.
Bis bald (29 Tage)
Florentina XO

Mittwoch, 18. Mai 2011

Erste Prüfung

HALLO!!!!

Bin gerade in einer eigenartigen Stimmung, einerseits überglücklich, andererseits hundemüde. Warum? Tja, hatte meine erste Prüfung heute. Das ist durchaus ein Grund zum Feiern, vor allem da es die einzige Pflichtprüfung ist (s.h. die einzige, die ich fürs Stipendium bestehen muss) Der Rest ist nur noch "Spaß" (Man könnte mich ernsthaft fragen, ob ich falsche Vorstellungen von Spaß habe)

Jedenfalls ging es ganz gut, denke ich. Habe gestern noch alte Prüfungsfragen durchgearbeitet (und bin daher um einiges später als geplant schlafen gegangen, aber es hat sich ausgezahlt) Heute morgen bin ich dann um 6 aufgewacht, weil ich von dem einen winzigen Teil geträumt habe, den ich nicht wirklich gut gelernt habe. (Ja, ich bin nicht perfekt, auch ich muss auswählen, was ich lerne, wenn die Zeit knapp wird) Dadurch konnte ich aber noch einmal über die Notizen zu den alten Prüfungsfragen gehen, die in den letzten Jahren immer um die selben Themen gekreist haben.

Und Wunder, oh Wunder, auch dieses Jahr sind es dieselben Fragen, aus 6 war nur eine ganz neu. Das hat mir einen großen Vorteil verschafft, weil ich zwei Fragen wählen konnte, die ich gestern gut durchgearbeitet habe. (Eine war praktischerweise auch mein Kursarbeitsthema und wenn ich da nichts drüber schreiben kann nach Wochen voll Arbeit, dann weiß ich's auch nicht) Zwischendurch während hastigem Schreiben hat mich die Sonne beschienen und das muntert mich immer auf.

Aber eigentlich wusste ich schon davor, dass nichts mehr schief gehen kann, hat doch mein Mitbewohner, Eugene, "Good luck" aus dem Fenster gerufen als ich mich auf den Weg zur Uni machte. Außerdem habe ich dann auch noch meine Geigenlehrerin vor ihrem Haus gesehen, spontan gestoppt und ihr geschrien, dass sie mir Glück wünschen soll. Sie hat mir auch prompt versprochen, an mich zu denken.
In dem Wissen, dass viele daheim auch wussten wann das Daumendrücken dran war, hatte ich so viel Unterstützung wie ich mir nur wünschen konnte und das beruhigt sehr!!!

Nach den zwei Stunden über dem "Exam's booklet" (Engländer sind außerdem wirklich schräg, man schreibt zwar außen seinen Namen drauf, aber um sicher zu gehen, dass es auch anonym beantwortet wird, wird das dann gefaltet und mit einem Klebestreifen zugeklebt, die müssen eine extrem große Anzahl von diesen booklets gemacht haben) habe ich mich dann mit Chris getroffen, als ein letztes Mal Tea-time nach Jurisprudence. Wir haben das im zweiten Semester fast jeden Donnerstag gemacht und immer viel zu lachen gehabt. Sie hat meine Zeit hier in Norwich um einiges verschönert und ich kann nur von Herzen hoffen sie im Juli zu sehen. (Zum Glück wohnt sie in Kent, wo Mama und ich Urlaub machen)

Jetzt ist die ganze Aufregung vorbei, aber irgendwie gelingt es mir nicht einen kurzen Nachmittagsschlaf einzulegen, bin wohl noch zu überdreht. Außerdem muss ich mich bald wieder ans Arbeiten setzten, denn der Montag kommt mit Riesenschritten und die Gesetzbücher müssen schon am Freitag abgegeben werden (also wird mal viel getextmarkert) Auch Montag wird dann nicht viel Zeit bleiben, da dann Donnerstag die Strafrecht ansteht. Wenigstens habe ich danach dann 2 Wochen bis zur nächsten, ein Glück!

Genießt die Zeit und bis bald (heute nur noch ein Monat)!!!
Florentina XO

Montag, 9. Mai 2011

Schlägereien

Hallo!

Ihr werdet euch sicher über den Titel wundern, aber aus aktuellem Anlass (nein, ich war nicht in eine Schlägerei verwickelt!) wollte ich mal eine Frage an die Allgemeinheit stellen:
Gerade eben (naja, vor 15 Minuten) ist vor der Tesco/Tankstellen-Kombination bei der ich oft einkaufe wenn ich an der Uni bin eine Schlägerei zwischen zwei Schülern der nahegelegenen Highschool entbrannt.  War nicht wirklich nahe dran, und bin auch nicht näher gegangen, weil ich mich nicht unbedingt in der Lage sehe eine Schlägerei zu stoppen, schon gar nicht auf Englisch. Glücklicherweise kam gerade zu dem Zeitpunkt eine Ambulanz vorbei und stoppte und die Frau am Steuer sprang heraus, und eine Verkäuferin vom Tesco kam auch herausgelaufen und sie haben die Schlägerei gestoppt. Ich mag solche Szenen nicht, sie gehen gegen alles, was ich gelernt habe und wühlen mich daher ziemlich auf. Zugleich aber lese ich in unzähligen Büchern immer wieder, wie normal es doch ist, dass Jungen sich prügeln.
Also zu meiner Frage:
Würdet ihr wirklich sagen, dass Prügeleien unter Heranwachsenden normal sind?
Auch das Aufwachsen mit zwei Brüdern hat mich dazu nichts gelehrt, ich muss also auf eure Weisheiten zurückgreifen.

Tja, ich verschwinde wieder in meinen Jusbüchern. Glücklicherweise habe ich die Kursarbeiten jetzt wirklich hinter mir (heute abgegeben) und nur noch einiges zu lernen vor mir.

Ich wünsche euch eine schöne Zeit, hoffentlich ist es bei euch ebenso schön warm und sonnig wie bei uns!
XO Florentina

PS: Musste heute ein neues (kleineres) Wörterbuch für meine Prüfungen besorgen, mit dabei war ein deutsches Phrasenbuch. Ich habe viel zu lachen damit und das wollte ich mit euch teilen:
Gibt es Ausflugsfahrten? -> Aussprache:  "gipt es owsflooks-fahrten?"
Jeden Samstage -> Aussprache: "yehden zams-tahk"
LOL!!!!