Hello again!
Ihr werdet euch wundern, dass ich so bald schon wieder schreibe?
Tja, einfacher Grund, muss wieder einmal ein bisschen fehlgeleitete Energie und Nervosität nach einer Prüfung abbauen. Außerdem dachte ich mir, ihr wollt vielleicht etwas darüber hören.
Was war heute am Programm?
Familienrecht, anders als in Österreich ist das hier nicht Teil einer großen Bürgerlich Rechts Prüfung (wird dann eher selten gefragt), sondern ein eigenes Fach, dass man entweder mit 100% Klausur oder 30% Kursarbeit und 70% Klausur machen kann. Ich habe die erste Möglichkeit gehabt und nachdem ich mir im Herbstsemester (nach der Übungskursarbeit) in den "behind" (um es Englisch auszudrücken, vielleicht macht das die Phrase ja besser) hätte beißen können, war ich dann in Frühlingssemester wirklich, wirklich froh nur eine Klausur zu haben und nicht im März schon eine Arbeit abzugeben müssen. Bis vor ungefähr 10 Tagen, als ich merkte, dass ich nur einen winzigen Teil lernen konnte bevor ich mich in die letzte Wiederholung für Rechtsphilosphie stürzen musste und dann nur noch 5 Tage habe um alles rauszuholen, was geht.
Hmmm, John Rawls sagt in seiner Gerechtigkeitstheorie, dass Menschen mit wirklich wichtigen Dingen im Leben kein Glücksspiel betreiben. ALSO, diese Prüfung war eindeutig nicht wirklich wichtig für mein Leben, denn ich habe wirklich "gegambled" (kein Wort, aber das passiert, wenn man längere Zeit in England verbringt. Entweder denkt man plötzlich nur noch Englisch oder es kommen eigenartige Deutsch-Englische Kombinationen aus dem Kopf, wenn auch nicht bei der Prüfung, zum Glück)
Jedenfalls, wie habe ich das getan? Tja, wie wahrscheinlich jeder Student/Schüler unzählige Male in seinem Leben. Lernen was geht und zugleich wissen, dass vieles sich nicht ausgeht und dann hoffen, dass die richtigen Fragen kommen. (Kleine Erleichterung, es gibt jedes Jahr 12 Fragen, 6 im normalen Familienrecht (Erwachsene) und 6 betreffen das Recht rund um Kinder und Eltern, das heißt, es ist höchst wahrscheinlich, dass so ziemlich jedes Thema des Jahres eine Frage hat und man nur 3 Fragen beantworten muss). Nur ist sich bei mir irgendwie nicht so viel ausgegangen, wie gedacht. Habe zwar den größten Teil vom normalen Familienrecht geschafft, aber dann beim Teil über die Vermögenstrennung nach Scheidung stoppen müssen, um auch noch etwas vom Kindesrecht unterzubringen, habe dort dann die Themen Elternschaft und Trennung der Eltern gut durchgemacht, das große Thema des Kindesschutzes durch den Staat aber nur gestreift. Unter anderem.
Sonntag nachmittag habe ich mich dann hingesetzt und begonnen alte Fragen durchzuarbeiten, konnte aber bis 3/4 12 nachts nur einenthalb Klausuren durchmachen (nicht ganz was ich geplant hatte), dann bin ich fast schon über meinen Zetteln eingeschlafen und habe eingesehen, dass Schlaf vielleicht mal eine gute Idee wäre.
Nicht, dass ich lange geschlafen hätte, viertel 6 haben die Träume zur Klausur wieder begonnen, dreiviertel 6 hab ich den Schlaf dann aufgegeben. Aber so konnte ich wenigstens noch ein bisschen was durchlesen (und mich nur halb verrückt machen, auch wenn man das nicht machen darf, wie mir meine weise, kleine Schwester gesagt hat. Darf bald wohl nicht mehr "klein" sagen, irgendwie ist die in den paar Monaten meiner Abwesenheit "groß" geworden)
Nach einer Raserei zur Uni mit meinem lieben, lieben Rad, durfte ich dann vor dem Gebäude warten, bis sie uns einließen (Danke für den Sonnenschein, mein lieber Wettergott, kann ich nur sagen) Glücklicherweise nicht allein, denn die Niederländerin, mit der ich mich während des Jahres so gut verstand, war auch schon dort. Haben uns dann ein bisschen gegenseitig beruhigt bzw. nervös gemacht.
Irgendwann wurden wir nach dem typischen Vortag "das passiert wenn ihr schummelt" (wird nach vorn gebeten, muss warten, kommt vielleicht vor eine Kommission, kann von der Uni ausgeschlossen werden -> habe mit der Schulter gezuckt, aber schummeln tu ich trotzdem nicht) in das Gebäude gelassen und durften unseren Raum finden. In dem Gebäude sind alle Prüfungsräume im Kellergeschoß. Durchaus angenehm gegen eventuelle Hitze, aber irgendwie sah unser kleiner Raum auch wie Keller aus.
Unsere Gesetzbücher warteten schon auf den Tischen, die Aufsichtsperson war herzlich gelangweilt (und ist anders als letzte Woche nur aufgestanden, wenn jemand zusätzliches Papier wollte) und bald ging die wilde Schreiberei los. Und wenn ich wild sage, dann meine ich wild. 3 Fragen in 2 Stunden sind kein Kinderspiel. Es ist ja nicht so, als würde man da nur eine Seite schreiben.
Meine erste Frage war ein Fall mit 2 unterschiedlichen Ehen und einer zivilen Partnerschaft, bei denen es zu bestimmen galt, ob sie gültig sind oder nicht. Natürlich muss man die sections im Gesetz wissen, den Fall danach bearbeiten und ähnlich Fälle anführen, als Beispiele oder Begründungen.
Nach einer Stunde (10 Minuten davon damit verbracht fast alle Fragen zu lesen um zu entscheiden, was ich machen will) dachte ich Schreck lass nach, ich hab ja noch zwei Fragen.
Das waren dann zwei Essay-fragen, die mir erstaunlicherweise (oder auch nicht, mochte Problemfragen immer) doch ganz gut liegen, vor allem wenn ich dazu eine Meinung habe. Habe über Reform im Scheidungsrecht und die Übersiedlung ins Ausland eines Elternteiles mit den Kindern und die rechtliche Situation geschrieben. Vor allem der zweite Aufsatz ist in 20 Minuten eher kurz geraten und einige Fallnamen sind mir nicht mehr eingefallen, später sind mir auch noch das Recht auf Familie (Europäische Menschenrechtskonvention Art 8) eingefallen, aber ich hatte gerade noch eine Minute, um eine Ende zu schreiben und die Arbeit nicht in der Luft schweben zu lassen, also konnte ich wirklich nicht mehr nachdenken.
Generell war das Denken während der Prüfung irgendwie schwer, alles in mir hat sich nur auf das Schreiben konzentriert. Zum Glück ist es jetzt vorbei. Es wird nicht berühmt sein, aber ich glaube, ich bin durch, da ich die meisten rechtlichen Fakten durchaus darlegen konnte. (Komme eher ungern im August nochmal her und noch weniger will ich meine Zetteln auf meinen Schottlandurlaub mit Verena davor mitnehmen)
Bin danach nur heimgefahren und habe versucht zu schlafen, ging aber irgendwie nicht.
Werde mich also heute wirklich früh in die Federn hauen, um morgen frisch und munter in der Früh an Strafrecht arbeiten zu können, denn um Max&Moritz zu zitieren: "Dieses war der zweite Streich und der nächste folgt sogleich" (in meinem Fall, Donnerstag! Danach heißt es Pausenwochenende, das habe ich mir verdient!!!)
Genießt die Zeit und die Wärme/Hitze. Wenn es euch zu heiß ist, denkt an das schöne England, wir haben gerade um die 18°C, was nicht schlecht ist (vor allem zum Lernen), aber es könnte besser sein.
Bis bald (29 Tage)
Florentina XO
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