Mittwoch, 6. Oktober 2010

Two in One

Heute schreibe ich mal zwei Tage zusammen, gestern ist ohnehin nicht großartig viel passiert.

5. Oktober 2010:


Im Prinzip war es ein ganz normaler Unitag.
Das besondere war nur erst ein Treffen mit meinem Advisor (Prof. der für mich zuständig ist, mir hilft, wenn ich Probleme mit Professoren habe und so weiter). Sie ist sehr nett, möchte gern einmal nach Salzburg kommen. :) Sie unterrichtet Familienrecht (mein einziges Problem war, dass ich ein paar ihrer Fälle nicht gefunden hat, sie wollte sich gleich danach darum kümmern, nur wollten nach der Vorlesung am gleichen Tag dann so viele Leute eine Frage stellen, dass ich dachte, so wichtig ist es schon nicht) Das ist sie:http://www.uea.ac.uk/law/Staff/All+People/Academic/bclark (das Foto ist leider ganz schön klein)

Und in meiner zwei Stunden Pause habe ich mich im Gesundheitszentrum angemeldet. Es war gut, dass ich so viel Zeit hatte, denn ich musste eine Stunde warten. Es gab gerade einmal zwei Stühle, aber wir sind zum Glück alle junge und gesunde Studenten. Manche sind gleich wieder gegangen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es später wirklich so viel anders gewesen wäre. Viel wird auch nicht gemacht, man bekommt ein oder zwei Fragen gestellt (hätte man die nicht auf die 3 Formulare schreiben können) und bekommt einen Termin für eine Gesundenuntersuchung (ich bin gesund!!!! Ist also was für mich *g*) Meiner ist Freitag in einer Woche. Mit ein bisschen Glück das letzte Mal, dass ich hinmuss.

Ja, ansonsten zwei VOs (EU, Family), nichts Neues, außer dass es hier anscheinend erlaubt ist Diktiergeräte zu verwenden, um die Vorlesung mit zu schneiden und sie später noch einmal anzuhören. In Österreich kann man sich's damit wirklich mit den Professoren verscherzen. Mein Buddy (sie verwendet eines und hört sich später noch einmal alles an) fragt die Professoren vorher immer, aber es hat noch nie wer nein gesagt. Soll ich mir jetzt ein Diktiergerät besorgen? Brauch ich es wirklich? Gut, ich versteh nicht immer alles, habe manchmal Probleme mit den Worten, wenn ich sie nicht kenne, oder die Pronounciation anders ist, als ich dachte. Aber ich weiß nicht, ob ich mir daheim wirklich alles anhören würde. Ich muss schließlich schon mein Handgeschreibsel abtippen.

Am Abend war ich ziemlich müde und habe mich ein wenig einsam und nicht gerade stark gefühlt. Deswegen habe ich mal statt Blog zu schreiben "Coach Carter" angesehen. Ich mag besonders den Spruch von Nelson Mandela: "Unsere größte Angst ist es nicht schlecht zu sein, sondern gut und groß. Wir fürchten uns am meisten davor ein hell leuchtender Stern zu sein. Aber dadurch geben wir anderen die Möglichkeit zu leuchten." (nicht wortwörtlich, aber sinngemäß) Es baut mich immer wieder auf, diesen Film zu sehen und ich kann ein wenig vergessen, dass ich oft Angst habe, aus verschiedenen Gründen.

6. Oktober 2010:


Nun, heute ist aber wirklich einiges geschehen.

Angefangen hat mein Tag heute erst um 8 Uhr. Charlotte hatte beschlossen auszuschlafen und ich hatte den Segen nicht aufgeweckt zu werden. Die Uhrzeit meines Aufwachens war perfekt, denn so hatte ich genug Zeit bevor ich losmusste. Zwischendurch musste ich kurz Pullover und Hose über mein Nachthemd anziehen und raus laufen, denn ich hatte gestern vergessen die Mistkübel rauszustellen und natürlich dachte auch niemand anderer daran. (Was bin ich? Putzfrau? Mama? Haushälterin?)

Dann ging es ab zu meiner ersten Geigenstunde in England. Fiona ist sehr, sehr nett. Ein wenig übersprudelnd, chaotisch und eine unglaubliche Geigenspielerin. Sie hat eine Hündin (entweder Golden Retriever oder Labrador, hat sie aus dem Tierheim, daher ist sie ein wenig verschreckt, aber sehr süß und sie wird sich schon an mich gewöhnen) Und sie hat vier Kinder (Mädchen: 6, 10, 16 und der einzige Junge ist 13), die Mädchen spielen alle Geige (Fiona unterrichtet sie selbst), die 10-jährige übt jeden Tag um 6 Uhr in der Früh. Soll ich das daheim auch einführen?
Sie hat in meinem Heft ein Lied rausgesucht, dass ich noch nicht gespielt habe und mich vom Blatt spielen lassen. Erst war ich ganz schön nervös und habe dadurch ein paar Noten falsch gespielt. Aber irgendwann wurde ich sicherer und es ist einfach schön wieder einmal zu spielen und mit jemandem darüber reden zu können. Schwierig ist noch mein fehlendes Geigenvokabular, aber es macht ihr nichts, vieles erklären zu wollen und ich glaube, wir werden eine gute Zeit haben.
Ich werde mit Sicherheit auch viel lernen, sie gab mir gleich eine Menge zum Üben auf und ich darf zwei Notenhefte kaufen gehen. Ich lerne jetzt Lagenwechsel. Dadurch werden meine Töne noch höher! :)
Am Ende haben Fiona und ihr nächster Schüler mich ermutigt im Orchester der MusicSociety an der UEA mitzumachen, aber dann kann ich nicht mehr für mich selbst spielen und auch für ein nicht so gutes Orchester muss man verdammt viel üben und es dann auch können. Außerdem weiß ich nicht, ob ich mich meiner Töne sicher genug bin und überhaupt Zeit hätte. Immerhin bin ich hier um Jus zu studieren.

Ich lieferte danach meine Geige schnell zu Hause ab und fuhr weiter zum Fahrradgeschäft, das praktischer weise direkt um die Ecke ist. Ich wollte einen Korb auf mein Rad, das Einkaufen ist sonst etwas schwieriger. Wirklich lustig ist, dass man hier fast nur Körbe für vorne bekommt, während wir in Österreich immer zuerst Körbe für hinten angeboten bekommen.
Auf alle Fälle bat ich sie, ihn zu montieren und musste dafür mein Rad bei ihnen lassen. War ja nicht weit weg, und ich hatte noch viel Zeit bis zu meinem Fechtclub.

Mein Plan war schnell etwas zu essen und dann meine Mitschriften abzutippen. Glücklicherweise ist mir Verena dazwischen gekommen und wir haben fast eine Stunde lang geskypt. Es war wunderschön ihre mal wieder mit ihr zu plaudern (@ Verena: Dankeschön, du hast meinen Tag um einiges verschönert!)
Dann war auch schon wieder Zeit mein Rad abzuholen und ich habe mir auch einen Helm geleistet. Immerhin ist mein Kopf zur Zeit mein wertvollstes Gut als Studentin und ich muss eine Straße mit vielen, vielen Autos entlangfahren, um zur Uni zu kommen. Es ist ein ungewohntes Gefühl, aber mit der Zeit wird es schon zur Normalität werden. Vielleicht bringe ich Levanna einmal dazu mich im Fahrradlook zu fotografieren, dann stelle ich es hier rein! :)

In den zwei Stunden danach habe ich es endlich geschafft, einen Teil meiner Mitschriften auf den Computer zu übertragen, aber ich sah ziemlich oft auf die Uhr.
Endlich durfte ich alles einpacken und losfahren!
Leider ist meine neue UEA-Tasche ziemlich unpraktisch fürs Radfahren, daher werde ich womöglich doch wieder meinen Rucksack nehmen, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf sie (vor allem kriegt man wirklich viel rein)

Durch mein mich Umziehen müssen (die meisten kamen schon im Trainingsgewand, wohnen wohl am Campus) lernte ich Emma kennen. Sie ist Chinesin, studiert Medizin im zweiten Jahr und heißt eigentlich anders, aber das kann kein Mensch aussprechen. Sie hatte auch so ihre Probleme mit meinem Namen und Flo ist für Engländer gar nicht so einfach, also schlug ich Flora vor, das schien ihr zu gefallen.
Unsere Gruppe besteht zum größten Teil aus Studentinnen, was mich wirklich überraschte. Sie sehen sehr nett aus. Auch die beiden Kursleiter (Sie fechtet seit 20 Jahren und er ist ein professioneller Trainer) sind sehr nett. Die Turnhalle ist leider ein riesiger Raum, nur durch Stoff getrennt und sehr laut, wenn die nächste Gruppe Basketball spielt. Aber das hielt uns auch nicht von unserem Tun ab.

Nach einer kleinen Waffenkunde (es gibt drei verschiedene Arten, wir fangen mit einem Foil an), wurde aufgewärmt und gedehnt. Durchaus lustige Übungen, aber die Stimme der Trainerin kam nicht ganz gegen das Aufprallen der Bälle neben uns an, sodass man sich wirklich konzentrieren musste.
Danach ging es weiter mit Fußstellungen, Vor- und Rückwärtsschritten, Ausfallschritten, Sprüngen und Attacken. Wenn irgendwer denkt, Fechten ist leicht und nicht physisch anstrengend, probier es bitte erst einmal aus.
Erstens die Fußstellung ist ungewohnt: rechter Winkel, rechter Fuß eine Fußlänge vor dem linken, ein wenig in die Knie gehen. Der Abstand muss bei normalen Schritten und Sprüngen gleich bleiben.
Zweitens die Armhaltung: rechte Arm mit Handfläche nach oben, würde normalerweise die Waffe halten, heute noch Trockenübung, linker Arm auf Schulter- und Kopfhöhe gebogen (ich werde mich mal fotografieren lassen, um das besser zu veranschaulichen) Diese Haltung bleibt, außer man attackiert, dann wird der rechte Arm nach vorne und oben gestreckt (Brusthöhe des Gegners) und der linke Arm nach hinten und unten. Ich hatte da durchaus meine Koordinationsprobleme.

Wir durften die Schritte mit Partner üben, dadurch lernte ich Pau kennen. Nun, das ist übertrieben, ich weiß seinen Namen und die Größe seiner Schritte. :)
Ohne Scherz, er ist mindestens einen Kopf größer als ich, und es ist verdammt schwer den gleichen Abstand zu halten, wenn das Gegenüber so viel größere Schritte macht. Aber es war lustig, er war geduldig, hat mir auch den Flash noch mal erklärt (dabei attackiert man den Gegner und läuft gleichzeitig an ihm vorbei), das habe ich irgendwie gar nicht hinbekommen.
Wir bekamen auch noch Foils in die Hand! Diese Dinger sind schwerer als man denkt und man muss auf noch ein Ding mehr achten, wenn man nachdenkt, was man so tun will. Ich habe ein gutes Jugendfantasybuch, wo ein als Junge verkleidetes Mädchen lernt ein Ritter zu werden. Sie hat Probleme beim Fechten und ihr Vasall sagt: "Manche sind dafür geboren, manche können's nie und manche, die lernen es mit dem Schwert ganz natürlich umzugehen"
Ich nehme also an, ich werde es mit der Zeit lernen mit meiner Waffe umzugehen.
Das wichtigste ist, es macht Spaß und es ist ein wunderbarer Ausgleich zum alltäglichen Jus lernen. Außerdem glaube ich, ich kann dort wirklich Freunde gewinnen, einfach durch das gemeinsame tun. Ich freue mich schon auf die nächste Fechtstunde und vielleicht habe ich Zeit zu üben. Das kann nie schaden, würde ich mal sagen.

Ich wünsche euch auch ein Abenteuer, entdeckt was Neues an euch selbst!
XO Florentina

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